Ruder-Wanderfahrt des EWRC auf der Elbe von Děčín/Tschechien nach Wittenberg (August/September 2026)
Vorbereitungen und Teilnehmer
Wie jedes Jahr im Winter, wenn die frühe Dunkelheit das Rudern während der üblichen Arbeitstage für die arbeitenden Sportsfreunde schwierig bis unmöglich gestaltet und Großboote manchmal nicht voll besetzt werden können, reift der Wunsch nach einem intensiven Rudererlebnis auf einer gemeinsamen Ruder-Wanderfahrt. So auch wieder im Winter 2025/26. Als Idee wurde dieses Mal eine Wanderfahrt auf der Elbe anvisiert. Die Planung übernahmen wie gewohnt Gerd und Ulrike, die wie immer für eine perfekte Organisation sorgten: Sie fuhren die gesamte Strecke schon mal mit dem Auto ab, wählten geeignete Tagesetappen und Anlandungspunkte für die Boote, und fanden preiswerte aber gute Unterkünfte. Zuerst meldeten sich zwölf Ruderer zu der Wanderfahrt an, später mussten jedoch zwei Teilnehmer aus gesundheitlichen Gründen absagen, so dass letztlich in zwei Gig-Doppelvierern 10 Ruderer (5 Frauen und 5 Männer) sowie ein Landdienst zur Unterstützung an der Fahrt teilnahmen.
Bedingt durch den extrem niederschlagsarmen Sommer 2026 kamen etwa ein Monat vor Start der geplanten Wanderfahrt Zweifel auf, ob genug Wasser in der Elbe sei und ob die Stege nicht alle auf dem Trockenen liegen würden. Immerhin waren schon mittelalterliche Fels-Markierungen von früheren extremen Tiefwasserständen (sogenannte Hungersteine) deutlich unterschritten worden. 2 Wochen vor Start der Wanderfahrt fiel im Einzugsgebiet der Elbe dann aber doch etwas Niederschlag, so dass alle lokalen Rudervereine bei Telefonanrufen bestätigten, dass die Stege benutzbar seien.
Samsstag, 29.08.2026 - Anreise
Am Freitagabend wurden die Boote abgeriggert und auf den einachsigen EWRC-Bootsanhänger verladen. Die Fahrt nach Děčín/Tschechien begann früh am Samstagmorgenmit dem VW-Bulli von Gerd und Ulli, welcher den Bootsanhänger gezogen und weitere 4 Teilnehmer mittransportiert hat. Die übrigen Teilnehmer reisten mit der Bahn oder im privaten PKW an. Die beiden Boote wurden von der Bulli-Besatzung in Děčín auf einer Wiese am Ufer aufgeriggert und über Nacht abgelegt. Die Autofahrt von Essen nach Děčín und die Bahnfahrt von Essen nach Dresden dauerte etwa gleichlang und beides verlief ohne nennenswerte Verspätungen oder Staus, was heutzutage ja nicht selbstverständlich ist. Die Reisenden im VW-Bulli fuhren anschließend weiter nach Dresden, wo sie sich mit den übrigen Teilnehmern in einem Hotel in Bahnhofsnähe zusammenschlossen. Vor dem gemeinsamen Abendessen war sogar noch etwas Zeit für einen ersten kurzen Rundgang in Dresden.
Sonntag, 30.08.2026 – Start der Boote in Děčín/Tschechien
Am Sonntagmorgen nach einem guten Frühstück fuhren 5 Ruderer mit dem Bulli und 5 Ruderer mit der Bahn nach Děčín. Mit Hilfe von Satellitennavigation auf dem Smartphone konnte die Bahntruppe die Boote nach kurzem Fußmarsch vom Bahnhof Děčín problemlos finden. Durch den kürzlich gestiegenen Wasserpegel lag der Zugang zum Steg etwas unter Wasser, aber trotzdem ließen sich die Boote gut und sicher zu Wasser bringen. Und endlich ging es bei schönem sonnigem Wetter los! Sowohl das Städtchen Děčín (malerische, schön renovierte mittelalterliche Häuser und ein großes Schloss) als auch die Strecke (stellenweise imposante, schroffe Felswände) waren sehr schön und abwechslungsreich (z.T. Kletterer in den Felswänden). Die gute Strömung der Elbe verhalf uns zu einer flotten Tagesetappe von ca. 30 km. Bei Fluss-km 8,6 haben wir an einem Bootssteg Mittagsrast eingelegt. Nach etwa einer halben Stunde Rast dort kam ein älterer Mann vorbei, der wutschnaubend schrie, es gehöre sich nicht, in der Nähe eines Ausflugslokals einen privaten Steg zu nutzen und sich dann ins Gras zu setzen und selbst mitgebrachte Verpflegung zu verzehren. Unser Argument, wir hätten die per Hinweisschild geforderten 2,50 Euro Steggebühr pro Boot in die bereitstehende Kasse geworfen und einige Teammitglieder hätten durchaus Getränke in dem Lokal gekauft ließ er nicht gelten oder hörte er erst gar nicht, da war er schon wieder immer noch äußerst wütend weggestürmt. Naja.
In der Nähe von Königsstein (bei Fluss-km 15,8) haben wir die Boote bei einem Kanu- und Bootsverleih ohne Steg angelandet (der Steg war zu kurz und mit einem Floß besetzt) und auf der Uferwiese gelagert. Dafür wurde eine Gebühr von 2 Euro je Boot für das Anlanden als auch für das zu Wasser lassen gefordert. Von der Stelle aus konnte man über einen recht kurzen Weg zum Bahnhof Königsberg laufen und von dort mit dem Regionalexpress nach Dresden fahren.
Montag, 31.09.2026 – Fahrt durch die Sächsische Schweiz an der Bastei vorbei
Die heutige Etappe von Königsstein nach Dresden ist landschaftlich vielleicht die interessanteste und beeindruckendste der gesamten Wanderfahrt. Es fängt an mit der imposanten, riesigen Festung Königstein, es folgen viele schroffe Felswände, und mit der Bastei der wohl bekannteste Punkt der Sächsischen Schweiz. Vom Boot aus hat man einen wirklich schönen Blick darauf. Wir haben bei Fluss-km 33,6 beim Kanuverein Pirna Mittagsrast eingelegt. Dort gab es einen guten Steg für 2 Ruderboote, am Ufer sogar mehrere Liegebänke, und einen Zugang zur sehenswerten Altstadt (mit mehreren Eiscafés). Nach der Mittagspause hatten wir starken Gegenwind, der genau auf die Strömung traf und ordentliche Wellen verursachte. Beim Ruderverein Dresden (km 48,9) durften wir den guten Steg nutzen und unsere Boote für 2 Tage auf dem Vereinsgelände ablegen und auch dort die Toilette nutzen. Mit der Straßenbahn Linie 10 (von der Haltestelle Heinrich-Schütz-Straße) aus konnten wir zurück nach Dresden Hauptbahnhof fahren. Am Abend haben wir wieder alle zusammen sehr rustikal und üppig gegessen.
Dienstag, 01.09.2026 - Dresden
Bei der diesjährigen Ruder-Wanderfahrt gab es eine absolute Besonderheit: ein ganzer Tag war Ruderpause, um in Dresden einige der dortigen Sehenswürdigkeiten und Kulturangebote zu erkunden. Die Fahrer von dem Begleitfahrzeug und dem PKW nutzten den Tag, um den Bootsanhänger und den PKW zur geplanten Endstation der Tour zu bringen. Es bildeten sich zunächst Kleingruppen, die je nach Interesse verschiedene Dinge in Dresden besichtigten (z.B. die Altstadt, die Neustadt, das Grüne Gewölbe, Friedenskirche, etc.). Gegen Mittag hat sich die gesamte Gruppe zusammengefunden und hat gemeinsam einen geführten Rundgang durch die Altstadt unternommen auf der es teilweise interessante Dinge zu erfahren gab. Abends haben einige Teilnehmer noch ein sehr beeindruckendes Konzert der Staatskapelle Dresden in der Semperoper (es gab die Sinfonie 6 in a-Moll von Gustav Mahler) gehört.
Mittwoch, 02.09.2026 – Von Dresden nach Meißen
Nach dem Frühstück fuhren alle mit der Straßenbahn zurück zu den Booten. Nach knapp einem Kilometer unterquerten wir das Blaue Wunder, dass sich leider nicht ganz so fotogen gab, da es teilweise eingerüstet und hinter Kunststoffplanen zur Renovierung lag. Bei km 55 sind wir durch das historische Zentrum Dresdens gerudert, wobei vom Wasser aus schöne Blicke auf die Sehenswürdigkeiten auf beiden Uferseiten möglich sind. Am Wassersportzentrum Radebeul (km 68,2) konnten wir an dem guten Steg für 2 Vierer anlegen, dort Mittagspause machen und die Toiletten nutzen. Anschließend ging es weiter bis zum Meißner Ruderclub, bei dem die Boote auf der Wiese gelagert werden konnten. Zu Fuß konnten wir die kurze Strecke bis zum Hotel zurücklegen und anschließend noch die wirklich sehenswerte Altstadt von Meißen mit dem Dom und der imposanten Albrechtsburg besichtigen.
Donnerstag, 03.09.2026 – Etappe nach Mühlberg
Morgens ruderten wir zuerst an der Burg Meißen vorbei, wirklich eine beeindruckende Silhouette vom Wasser her gesehen. Mittags haben wir am Bootshaus in Riesa (bei km 107,2) an einem Steg für nur einem Vierer angelegt, nach dem Aussteigen wurde der in ruhiges Wasser geschoben und dort festgemacht, so dass der zweite Vierer auch anlegen konnte. Beim Bootshaus war keiner, so dass wir unsere mitgebrachten Mittagsbrötchen, Kuchen und Obst auf der Picknickdecke an der Stegböschung zu uns genommen haben und der Toilettengang in der Stadt auf einer öffentlichen Toilette erledigt wurde. Dabei konnte auf die Schnelle auch noch ein Eis geschleckt werden. Etappenende war beim Ruderclub Mühlberg (km 127,1), der recht geschützt in einem Seitenarm als Hafen liegt.
Freitag, 04.09.2026 – Geplante Etappe von Mühlberg nach Pretzsch
Morgens mussten die Boote erstmal durchgedreht werden, um den nächtlichen Regen aus den Booten zu bekommen. Dann ging es bei starkem Wind wieder los. Trinkpausen konnten nur im Windschatten einer Flussschleife gemacht werden, ansonsten musste das Boot permanent von den Ufersteinen ferngehalten werden. Eine gute und ruhige Stelle für unsere Mittagspause hatten wir in Torgau an einem kurzen Steg in einem Seitenarm der Elbe (bei Fluss-km 159,0). Nach dem Essen konnte noch das Städtchen Torgau besichtigt werden, insbesondere der bekannte Bären-Burggraben des Schloss Hardenberg (der heute noch von lebenden Braunbären bewohnt ist).Nach der Mittagspause frischte der Wind noch stärker auf und ein Vorankommen wurde manchmal recht mühsam. Insbesondere wo der starke Wind direkt auf die Strömung des Flusses traf, entwickelten sich recht starke Wellen mit Schaumkronen oben darauf. Etwa 900 m vor der Gierfähre Prettin hatte das eine Boot durch unvermeidbaren Wellenschlag so viel Wasser aufgenommen, dass es sofort anlanden musste. Glücklicherweise gab es dort eine ruhige, sandige Bucht zwischen 2 Buhnen, wo beide Boote aus dem Wasser genommen werden konnten. Wir beschlossen die Tagesetappe dort zu beenden (bei Fluss-km 171,4), da eine Weiterfahrt bei den Bedingungen doch zu gefährlich schien. Nachdem die Boote in sicherem Abstand zum Fluss am Ufer gelagert wurden, mussten wir quer durchs Gestrüpp zur nächsten Straße laufen und den Landdienst dorthin bestellen. Das Begleitfahrzeug konnte uns in 2 Touren an der Gierfähre abholen und zu unserem eigentlichen Ziel, dem Ort Pretzsch bringen. Sobald beide Touren mit allen Teilnehmern im Hotel waren, ging ein kurzer, aber heftiger Wolkenbruch nieder – so gesehen hatten wir nochmals Glück gehabt. Nach dem Sturzregen konnte noch das Schloss Pretzsch besichtigt werden, der Schlosspark aber wegen vom Sturm abgerissener und umherfliegender Äste besser nicht.
Samstag, 05.09.2029 – Rudern im Sturm
Die Wettervorhersage versprach weiterhin sehr viel Wind, der am Nachmittag wieder heftiger werden sollte. Deshalb beeilten wir uns am Morgen wieder in 2 Touren zurück zu den Booten zu fahren und diese schnell für die Fahrt zurecht zu machen. Nach dem Start ging es erstmal einigermaßen, aber mit zunehmendem Wind wurden auch die Wellen wieder höher. Beim Kanuverein Harmonia Elster (bei km 201,0, ca. 500 m hinter der Mündung der Elster in die Elbe) wollten wir eigentlich Mittagspause machen. Da ein Boot aber bereits wieder durch Wellenschlag ordentlich Wasser aufgenommen hatte, die Flussrichtung nun vornehmlich in die Windrichtung drehte, und der Wind weiterhin kontinuierlich stärker wurde, beschlossen wir, die Wanderfahrt hier (und somit etwa 14 km vor dem geplanten Ende in Wittenberg) endgültig abzubrechen. Das Begleitfahrzeug wurde per Mobiltelefon herbeigerufen und der Bootswagen in Wittenberg abgeholt. Die übrigen Teilnehmer haben in der Zwischenzeit schon die Boote abgeriggert und alles zum Transport vorbereitet. Nach Ankunft des Hängers wurden die Boote verladen und das gesamte Team konnte mit dem Begleitfahrzeug und dem weiteren PKW nach Wittenberg gebracht werden. Hier war noch Zeit die Lutherstadt ausgiebig zu besichtigen, insbesondere die Schlosskirche mit der Bronzetafel der 95 Thesen von Luther, den Lutherhof mit der Büste von Katharina von Bora (Luthers Ehefrau), das Wohnhaus von Melanchton, dem Haus von Cranach, und der Apotheke seines Sohnes. Anschießend gab es wieder ein gutes leckeres gemeinsames Abendessen.
Sonntag, 06.09.2026 - Rückreise
Die Unterkunft lag in der Nähe zum Bahnhof, so dass die Bahnreisenden sehr bequem nach dem Frühstück die Rückreise antreten konnten. Die Heimfahrt mit der Bahn klappte wieder ohne Probleme, und auch der Bulli mit Hänger hatte nur einen kurzen Stau. So kamen beide Gruppen wieder etwa gleichzeitig in Essen an, sodass die Boote gemeinsam abgeladen, geputzt, und aufgeriggert werden konnten.
Fazit
Wir hatten trotz des wetterbedingten vorzeitigen Abbruchs eine überaus gelungene Wander-Ruderfahrt. Die Strecke war landschaftlich wunderschön und die gesamte Reise hervorragend vorbereitet. Die Etappenlänge war gut gewählt, so dass es stets ein bisschen Puffer gab um neben dem Rudern auch noch einige der wirklich einmaligen Sehenswürdigkeiten zu besichtigen. Auch der Extra-Kulturtag wurde von allen Teilnehmern geschätzt. Die Stimmung und Kameradschaft in der Gruppe waren stets hervorragend. Die Teilnehmer blicken nun – bei schon wieder kürzer werdenden Tagen - schon wieder mit Freude auf die nächste Wanderfahrt im Jahr 2027.
Text: Andreas Mench